Buchmesse-Gastland Frankreich: Wo bleiben die Comics?

am Dienstag, 07 Februar 2017.

Auch das Fehlen von etwas kann eine Nachricht wert sein! So z.B., wenn die #WELT in einem Artikel im Vorgriff auf die Frankfurter #Buchmesse 2017 bezogen auf das diesjährige #Gastland #Frankreich titelt „Alte Liebe rostet nicht“. Und sich der Autor darin mit Front Nationale und Lektüren von Marine Le Pen & Co. (auch „im Falle, dass…“) befasst.

So weit – so weniger gut? Was fehlt, sind #Comics – und das bei einer Nation, die Bildgeschichten-orientiert ist wie kaum eine andere (USA?!) … Bleibt zu hoffen, dass vom 11. bis 15. Oktober #Bandedessinée & Co. deutlich mehr Raum einnehmen darf als im Artikel von Tilman Krause! Mit #AndreasPlatthaus in der FAZ wäre das kaum passiert … Andererseits: Darf man sich in Deutschland über solches bedauernswertes Fehlen überhaupt beklagen, wo doch die Kenntnis über einen vergleichsweise mageren Comic-Markt nur eine sehr bedingte ist? Jedenfalls fasst die MVB (Marketing- und Verlagsservice des Buchhandels, Tochter des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels) im jährlich erscheinenden Berichtsband „Buch und Buchhandel in Zahlen“ schwammig „Comic, Cartoon, Humor, Satire“ in einen Bereich zusammen, mit stabil um die 8% Anteil an der Warengruppe „Belletristik“ (2016, S. 16). Wie wenig aussagekräftig diese Zahl allerdings ist, zeigt diese Zahl: 15,8% Anteil dieses „Genres“ im Bereich Hörbuch/Audiobook, fast doppelt so hoch, für eigentlich bildorientierte Geschichten? (Hmm, verbirgt sich der eine oder andere € vielleicht noch im Segment „Kinder- und Jugendbuch“?`) Und auch Nachfrage bei den Zahlengebern ergibt eine „Wissen wir nicht/können wir nicht/wollen wir nicht/dürfen wir nicht“-Gemengelange, seien es die Marktforscher der #GfK (Gesellschaft für Konsumforscher, selbst gerade in Schieflage) oder jene von Media Control. Speziell „Graphic Novel“ ist eine terra incognita in Deutschland, sehen wir davon ab, dass die üblichen Verdächtigen eher schwammig bleiben: Es geht meist darum, dass dieses Segment mit Auflagen im niedrigen vierstelligen Bereich zurecht kommen müsse, will sagen, mal 2.000, mal 3.000 – selten deutlich mehr. Doch warum klagen, wenn im (scheinbaren) Mutterland des Comic #USA ebenfalls ein Zahlen-Nirwana herrscht? Jedenfalls hat die New York Times ihre Comic-Bestsellerliste hiermit eingestellt, wie vorab u.a. auf #e-book-news.de berichtet wurde – wie auf #Comicoskop interpretiert: Wenn eh nur Schätzzahlen vorliegen, wie von den NYT moniert, könne man sich diese Übersichten tatsächlich sparen, #Graphicnovel inklusive … Anders offenbar in Frankreich, womit sich der Kreis schließt: Dort kennen jedenfalls die Verlage sehr genau Umsatz- und Absatzzahlen, wie von Graphic-Novel-Vertretern zu hören war (Quelle: Angoulme, jährliches Comic-Event, Comicoskop-Chefredakteur Martin Frenzel). Es gibt offenbar viel zu tun: Wer packt´s an?

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